Im persönlichen Gespräch

"Intensive Emotionen sind der Nährboden der Sportler ..."

Er ist konsequent, durchtrainiert und zweifelsohne der Prototyp eines erfolgreichen Vorzeige-Athleten: Patrick Buchs. 1997 gelang ihm der sprichwörtlich große Wurf – mit einer Weite von 60,94 Metern katapultierte sich der Schweizer Diskuswerfer in der Bestenliste seines Landes nach vorne. Ganz weit nach vorne. Viele Erfolge konnte der blonde Hüne aus dem Alpenland während seiner Karriere als Spitzensportler verzeichnen – bis er die Seiten wechselte und als Nationaltrainer das Maximum aus seinen aktiven Schützlingen herausholte. Aktuell bringt Patrick Buchs seine Erfahrungen und sein Know-how als Verbandsberater bei Swiss Olympic ein.

 

Was war für Sie der schönste Moment Ihrer Sportlerkarriere?

Definitiv der 19. Mai 1997, als ich in Zofingen meine eigene Bestleistung pulverisierte und mit 60.94m das erste Mal die magische 60m-Grenze übertraf. Das war so ein Moment, wonach ein Sportler sein ganzes Leben lang strebt und wiederum Jahre lang davon zehrt, weil mir in diesem Moment die perfekte Symbiose zwischen Technik, Kraft und Spannung gelungen war. Geboostet durch dieses magische Gefühl der Perfektion, empfand ich diese 2 – 3 Sekunden als fast endlosen Zustand der Schwerelosigkeit. Die Zeit stand still und ich hatte das Gefühl, dass der Diskus in der Luft steht. Und gleichzeitig kam ein Gefühl von Dankbarkeit und Stolz in mir auf, welches ich ganz intensiv in mich aufgesogen habe. So intensive Emotionen sind der Nährboden der Sportler und darum rechtfertigt sich auch jahrelanges Schinden und Schweißvergießen.

 

Was lässt den Puls eines Trainers höher schlagen?

Im positiven Sinn, wenn der Athlet ein gestecktes Ziel erreicht und seine Freude über das Erreichte zelebriert. Im negativen Sinn, wenn der Athlet sein Talent und dadurch die Zeit des Trainers verschwendet.

 

Wie viel Anteil am Erfolg eines Sportlers hat die mentale Stärke?

Umso älter der Athlet und umso höher das Ziel, desto wichtiger, weil der Erfolg respektive der Misserfolg zusätzlich eine existenzielle Dimension erhält.

 

Aus Leidenschaft entsteht Leistung – können Sie diese Aussage bestätigen?

Definitiv! Irgendwann schnappt ein Athlet irgendwie ein Bild oder eine Emotion auf, die ihn inspiriert und antreibt. Mir hat es 1984 Carl Lewis an den Olympischen Spielen in Los Angeles angetan, der durch seine beispiellose Ästhetik und Erfolgsserie herausgeragt hat und neben einer großen Bewunderung auch ganz viel Nachahmungsmotivation in mir ausgelöst hat.

 

Welche Sportler genießen Ihren höchsten Respekt und warum?

Sportler aus der zweiten Reihe oder aus Randsportarten, welche im Schatten der Kameras und der öffentlichen Aufmerksamkeit über Jahre hinaus fantastische Leistungen erbringen und sich Jahr für Jahr wieder den „Arsch“ aufreißen müssen, um die Finanzierung ihres Sportjahres hinzukriegen. Diese Sportler verdienen meinen Respekt, weil sie von einer Leidenschaft angetrieben sind und ihren Traum leben.

 

Kann ein ehemaliger Spitzensportler wie Sie ruhig am Schreibtisch sitzen?

Es kommt drauf an, welches Sportereignis gerade im Fernsehen läuft… Wenn Roger Federer im Wimbledon-Finale spielt oder Fabian Cancellara im Zeitfahren der Rad-WM kraftvoll in die Pedalen tritt oder Simon Ammann an den Olympischen Spielen über den Schanzentisch rast, dann kann ich definitiv nicht stillsitzen …

 

Welchen Sport betreiben Sie heute in Ihrer Freizeit?

Ich bin ein Polysport-Junkie und ändere praktisch jedes Jahr wieder meine Sportaktivitäten … Ich habe schon Sportarten wie Fechten, Radfahren, Beachvolleyball, Basketball und Golf über längere Zeit zielorientiert betrieben. Im Moment ist gerade Eishockey mein Sport.

 

Ihre Botschaft an alle Athleten?

Kompromisse sind der Anfang des Endes.